Die Welt der Ängste des Stephen King    

Mehr als nur Rezensionen: Diese Seite geht in die Tiefe!

King beschreibt den Hergang von Horrorgeschichten als einen schematischen Ablauf, der mit dem Eindringen in ein tabuisiertes Land beginnt, in einen Ort, den man nicht betreten sollte. Aber man möchte sich trotzdem über die Grenze bewegen. Innerhalb dieser Tabuzone trifft man auf absonderliche Gestalten, die sich von einem selbst stark unterscheiden. Der Leser sagt sich nach Wiedereintritt in die Realität: „He, ich bin gar nicht so übel. Ich bin ganz in Ordnung. Viel besser als ich dachte.“ „Es hat diese Wirkung, Werte neu zu bestätigen, das Bild von uns selbst und unsere gute Meinung über uns selbst zu bestätigen.“

 

Diese Äußerung über die Wirkung von Horrorgeschichten kann man bestätigen, da durch den Vergleich der eigenen Person mit den leidgeprüften Protagonisten der Romane eine positive Bilanz entsteht, doch diskutiert King in diesem Zusammenhang nicht die Wirkung der irrealen Angst seiner Bücher und die damit verbundene mögliche Katharsis. - Siehe auch Teil 1 „Angst“

 

Die Erzeugung der Angst versucht King dadurch zu erreichen, wie er sagt, indem er das Vertrauen des Lesers erschleicht. Aus diesem Grund sollte auch im ersten Abschnitt nicht der Tod einer Person ereignen. Er beschreibt dieses Vorgehen als ein Locken mit schönen Dingen, die das Interesse des Lesers wecken. Ist dieses eingetreten, so führt er den Leser in die dunklen Ecken der Nebengassen und läßt sie dort, „bis sie schreien!“(Stephen King, 1991, Seite18) Es erfüllt ihn mit Freude die Leser zu ängstigen. Er bezeichnet dies als sadistisch, was er auf seine „Verdrehtheit“ zurückführt. „Warum lesen die Leute solche Sachen?“ „(...) sie [sind] ebenso verdreht wie ich.“(Stephen King, 1991, Seite 18)

 

Diese sadistische Ader, die King an sich und seinen Lesern beschreibt, deckt sich mit den Ausführungen, die zuvor in dem Abschnitt über Sadismus erläutert wurden. „Verdreht“ könnte man auch als die Lust an Angst und Gewalt bezeichnen, sowie die Notwendigkeit die dunkle Seite des Menschen, die zu uns gehört, im Phantastischen auszuleben. – Siehe Sadismus Teil 1 – 

 

Ein Teil seiner Zielgruppe sind Teenager, die ihre entwicklungsbedingten Identitätskrisen durchleben, die ihr Selbst noch finden müssen. Ihr eigenes Selbstbild wird durch die äußere Normierung als unbefriedigend empfunden, sei es in Bezug auf ihr Äußeres oder ihre Fähigkeiten. King beschreibt die Wirkung der Horrorfilme und Horrorbücher, für diese Gruppen, als eine Bestätigung ihrer Person, da sie sich durch den besseren Eindruck  den sie von sich haben, wieder als Teil der normalen Maße empfinden können. Im Vergleich zu den Protagonisten haben die Leser dadurch ein besseres Bild von sich erhalten. Dieser Form der Darstellung haftet etwas konservatives an, da sie sich jeder Form von Veränderung widersetzt. Ein weiterer Grund für das Lesen der Horrorliteratur ist die Möglichkeit, sich auf den unvermeidlichen Tod vorzubereiten. Dem Wissen um den Tod und die Erkenntnis, das uns der Tod eines Tages wiederfährt, haftet etwas göttliches an, da wir mit diesem Wissen unser normales Leben weiterhin führen.

 

King erwähnt, das die Horrorliteratur urtümliche Bilder von Archetypen erzeugt, wenn die Erzeugung von Horror innerhalb der Literatur funktioniert. - Siehe in dem Abschnitt Teil 1, „Jung und die dunkle Seite des Menschen“. King beschreibt drei Ebenen des Genre, die voneinander getrennt sind, nämlich die Erzeugung von:

 „Schrecken“

 „Horror“

 „Ekel“

 

Die Steigerung der Spannung durch diese drei Ebenen, funktioniert durch die Dramaturgie des Schreckens. Die Horrorliteratur hat für King wohl eine sozial und psychologisch nützliche Katharsis für die Ängste und Aggressionen, doch sagt er: „die brutale Tatsache [ist], daß wir immer noch öffentliche Hinrichtungen als Geschäft betreiben.