Die Welt der Ängste des Stephen King    

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King erreicht durch den Subtext eine Neubesetzung der Stereotypen der Gothic Novel. Die neue Bedeutung dieser Stereotypen spiegelt die Ängste unserer Zeit wieder. Wie bereits erwähnt, bestehen Kings Romane nicht nur aus Stereotypen, sondern auch aus eigenständigen, gut entwickelten Charakteren, sowie Motiven und Beschreibungen.

Der Subtext spiegelt die soziokulturellen Ängste des Lesers wieder. Stephen King erreicht durch den Subtext eine neue Bedeutung, sowie für die alten als auch die neuen Stereotypen. King versteht es außerordentlich die Alltagswelt des Lesers realistisch zu beschreiben. Durch die realistischen Beschreibungen erzielt er die Wirkung, daß die übernatürlichen Ereignisse glaubwürdig erscheinen.

 

Stephen Kings Werke vermitteln Wahrheiten über unsere Leben und berichten von Humanismus, sowie von der Sorge um die Zukunft der Menschheit. King verwendet für die Bildung des Subtextes persönliche und nationale Druckpunkte. Die nationalen Druckpunkte weiten sich zu internationalen Druckpunkten durch das Kollektiv des Fernsehens und Films aus. Die Verbindung all´ dieser Punkte werden so zu Allegorien.

 

 Liste der Druckpunkte von persönlichen Ängsten:

 

Angst vor Dunkelheit

Angst vor Glitschigem

Angst vor Deformierung

Angst vor Schlangen

Angst vor Ratten

Platzangst

Angst vor Insekten: Besonders Spinnen, Fliegen und Käfer

Angst vor dem Tod

Angst vor Anderen (Paranoia)

Angst vor irgend etwas

 

Der Hintergrund der soziokulturellen Ängste entspricht der weißen amerikanischen Mittelschicht. Zu einem verarbeitet King die persönlichen realen Ängste vor finanziellem Ruin, einer ungewissen Zukunft, Existenzsorgen, der Unfähigkeit sinnvolle Beziehungen einzugehen, gescheiterten Beziehungen, keinem trauen zu können, Anderen, heranwachsenden Teenagern sowie unterschwellige Ängste vor Männern und Frauen.

 

Zum anderen verarbeitet er die kollektiven Ängste vor dem Zerfall des ordnenden Staates, dem Verfall der traditionellen Werte, dem Verfall der Institution Ehe und Familie, wirtschaftlicher Depression, dem Zusammenbruch der Ökologie und die Angst vor einem menschenfeindlichen und verachtenden politischen System. Am häufigsten Verwendet er die Angst vor Anderen der Auflösung traditioneller Werte. Die speziellen kollektiven amerikanischen Ängste vor beispielsweise einem erneuten Watergate oder Reaktorunfällen , wie beispielsweise in Harrisburg geschehen, finden auch ihre Verwendung. Diese Ängste vor einem korrumpierten Staat oder Reaktorunfällen in Tschernobyl, finden sich auch in unserer Kultur wieder.

 

Burkhard Müller umschreibt diese Ängste als eine „winzige Perforation“ in unserer Welt, die sich durch Schwachstellen im zivilisatorischen Gefüge erklären. „Die Schnittstellen des monadischen Individuums mit dem allgemeinen Versorgungsnetz“ unterwandern unsere Selbstständigkeit. Der frühere Zufluchtsort, das Haus, ist mit einer undurchschaubare Technik verbunden, deren Funktionsweise das Subjekt nicht mehr versteht. Diese alltäglichen Dinge, wie z.B. Telefon, Kanalisation, Steckdosen, etc., sind für uns im Gebrauch selbstverständlich geworden. Aber an dessen Installation und Funktion können wir uns nicht mehr erinnern. Die Furcht der Protagonisten ist, daß sie dadurch wahnsinnig werden könnten, weil sie es nicht vermögen die Welt als ein Ganzes wahrzunehmen, wenn sie dem Ungewöhnlichen begegnen. Die moderne Welt ist lt. Müller aus dem griechischen Logos und letztlich aus dem jüdischen Gesetz gewoben worden – „so muß der Insasse der Gegenwart mit Entsetzen auf alles blicken, was sich in die Kontinuität zu fügen weigert.“ 

 

  • „Stephen Kings Bücher konservieren die Vorfreude, die dem ganz Anderen [,dem Tod, dem Unbekannten und dem Unheimlichen] gilt, über einen unglaublich langen Zeitraum hinweg – daraus leitet sich die Notwendigkeit ihrer knappen, grandiosen und ernüchternden Schlüsse her:“

 

Die Horrorliteratur bezieht ihre Wirkung aus der Spannung zwischen dem Apollinischen und den Dionysischen. Eine Auffassung, die C. G. Jung auf ähnliche Weise mit der Spannung zwischen den Polen ausdrückt, aus der die notwendige Energie für unser geistiges Leben gespeist wird. Die lange Vorlaufzeit in seinen Büchern ist notwendig um die Spannung zu halten. Deshalb sind die Enden seiner Romane abrupt und knapp. Der Unterschied zwischen der Gothic Novel und der neueren Horrorliteratur ist der Narzißmus, der uns jederzeit den Spiegel für unsere Taten vorhält. Stephen King hält uns allen einen Spiegel vor, dessen Bild die soziokulturellen Probleme und Ängste sind, durch den bereits erwähnten Subtext in seinen Büchern.