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Stephen Kings turbulente Kindheit wurde von der Armut der Familie und dem Aufwachsen ohne Vater geprägt. Stephen King wuchs mit seinem zwei Jahre älteren adoptierten Bruder Dave bei seiner alleinerziehenden Mutter Nellie Ruth Pillsbury King auf. Wie er mit seinem typischen Sarkasmus schildert, war sie „eine der ersten befreiten Frauen Amerikas, wenn auch nicht freiwillig.“ Kings Mutter die bis zu der Geburt der Kinder noch keine Ausbildung absolviert hatte, mußte durch den Umstand das ihr Mann sie verlassen hatte, der vorhandenen Arbeit durch das Land nachfolgen. Nach häufigen Umzügen wohnten sie kurz in West De Pere, Wisconsin, wo beide Brüder einen Babysitter nach dem anderen strapazierten. Mit fünf oder sechs Jahren stellte sich der junge Stephen King die Frage nach dem Tod, was wahrscheinlich durch ein prägendes Erlebnis ausgelöst wurde. Die Schilderungen über einen von seiner Mutter erlebten Todesfall hat er bis heute nicht vergessen. Im ersten Schuljahr verbrachte King krankheitsbedingt viel Zeit im Bett. Eine schmerzhafte Ohrerkrankung plagte ihn über längere Zeit, woraufhin er eine regelrechte Angst vor dem Schmerz und dem Arzt empfand. Als sein Bruder in die vierte Klasse versetzt wurde, mußte er die Zeit wegen Versäumnisse im ersten Schuljahr ganz zu Hause verbringen, so daß er erst ein Jahr später in die zweite Klasse versetzt wurde. In dieser Zeit weckten zuerst Comics und dann gruselige Tiergeschichten sein Interesse. Daraufhin verfaßte er seine erste eigene Geschichte.
King war ein unglückliches Kind, wie er in einem Interview in der Zeitschrift „Playboy“ preisgab, er fühlte sich anders und anderen Kindern gegenüber entfremdet. Von seiner Statur war er ein dickes Kind, mit motorischen Schwächen und wurde deshalb immer bei Mannschaftsspielen als Letzter gewählt. Zwischen zehn und zwanzig verspürte er einen gewalttätigen Impuls, „als wollte ich es der Welt heimzahlen, aber ich hielt diese Wut im Verborgenen. Sie war ein heimlicher Ort in mir selbst.“
King meint, das er und sein Bruder eine starke Mutterbindung hatten, andererseits vermute ich, daß es an der Armut, an seinem Äußerem und der motorischen Eingeschränktheit gelegen haben könnte. King plagte auch die Angst vor dem Tode der Mutter und einem Waisenleben. Darüber hinaus hatte er Angst wahnsinnig zu werden, was sich unter anderen aus dem verwandtschaftlichen Erbe seines Vaters begründet.
Nach einem neuerlichen Umzug nach Stratford, Connecticut schulte man ihn in die zweite Klasse ein. Seine kindliche Liebe zu einem Mädchen wurde nicht erwidert. In dieser Zeit spielte King häufig mit seinem Bruder hinter dem Haus. Der junge King verspürte dringend, sein „Geschäft“ erledigen zu müssen, doch hielt ihn die Örtlichkeit davon ab. Auf Raten des Bruders, sein „Geschäft“ an Ort und Stelle zu verrichten und die dafür vorhandenen Blätter zu verwenden, änderte er aber seine Meinung. Später stellte es sich heraus, das er giftige Efeublätter für das Abwischen seines Hinterteils benutzt hatte, was eine gerötete Haut und eine eitrige Hand zur Folge hatte.
Dem Erfindungsreichtum seines intelligenten Bruders versuchte einen kompletten Stromausfall, als er ein Schulexperiment an dem häuslichen Stromkreislauf anschloß. Zu dieser Zeit, 1958, arbeitete seine Mutter in einer Wäscherei, wo sie die einzige weiße Beschäftigte war. Diese Erlebnisse prägten ihn meines Erachtens nachhaltig. Kings Romanfiguren entsprechen eher dem Durchschnitts- bis untere Mittelschichtbürger, was auf seine Kinder- und Jugendzeit bis hin zu den ärmlichen Verhältnissen in den ersten Ehejahren zurückzuführen sein könnte. Über das Schreiben sagt King, daß man nur über bekannte und erlebte Dinge schreiben sollte, um eine gewisse Authentizität und Glaubwürdigkeit der Personen und der Umstände zu erreichen.
Einen prägenden Einfluß übte in den späten fünfziger Jahren das Fernsehen aus, wobei ihn besonders die Science Fiction Filme faszinierten. Das Magazin „Famous Monsters of Filmland“ zählte unterdessen zu seiner Stammlektüre. Seine erste Veröffentlichung war die Geschichte „In a Half-World of Terror“ in einer Horror-Fanzeitung.
Mit vierzehn, mittlerweile bei der schwerkranken Großmutter in Durham untergebracht, bekam King die erste Absage für eine eingereichte Geschichte, die jedoch einen aufmunternden Kommentar enthielt. Sein aufgeweckter und aktiver Bruder gründete während seiner Highschool-Zeit eine auflagenarme Zeitung, namens „Dave´s Rag, in der King einige Geschichten veröffentlichte. Zwischen 1958 und 1966 fesselten ihn Film aus den Genres Science Fiction und Horror, besonders die amerikanischen Verfilmungen Edgar Allan Poes von Roger Corman. Inspiriert von dem Film „Das Pendel des Todes“ schrieb er eine Kurzgeschichte gleichen Namens, die er gewinnbringend an der Durhamer Volksschule veräußerte. Seine Freude über das erwirtschaftete Geld währte aber nicht lange, weil sein Rektor den Verkauf der Geschichte nicht duldete. Der junge King mußte das Geld auf Verlangen des Rektors wieder jedem Schüler zurückzahlen.
King war eine Zeit lang der Chefredakteur der Schülerzeitung „The Drum“ von der Lisbon High School, was ihm aber keine besondere Freude bereitete. Er veröffentlichte daraufhin eine satirische Geschichte im Stil des „Mad Magazins“ über seine Lehrer. Diese Satire traf den Geschmack der Schüler. Eine Lehrerin ärgerte sich jedoch über seine Anspielungen, woraufhin er sich bei ihr entschuldigen mußte und das Versprechen bei der Zeitung „Weekly Enterprise“ aus Lisbon zu arbeiten abgab. Der Rektor war der Ansicht das er über sinnvollere Sachen schreiben könne. King sollte die Sportberichterstattung übernehmen. Die humoristische Seite spüren wir noch in seinen Büchern, doch durch dieses Erlebnis wendete er sich von humorvoller Literatur ab. In dieser Zeit lehrte ihn der Redakteur John Gould wichtige Grundregeln des Schreibens, wie King betont. Gould erklärte, „Wenn Du eine Geschichte schreibst, dann erzählst Du sie dir selber. Wenn Du sie redigierst, mußt Du eigentlich nur darauf achten, daß Du alles herausstreichst, was nicht zur Geschichte gehört.“ „Schreibe bei geschlossener Tür, redigiere bei offener Tür.“
Die finanzielle Not der Familie machte es notwendig, daß er während der Abschlußklasse und in den Ferien noch bei der Weberei Worumbo Mills and Weaving in Lisbon Falls arbeitete. Die Erzählungen über riesige Ratten, die im Keller der Fabrik lebten, inspirierten ihn zu der Kurzgeschichte „Spätschicht“. Stephen King läßt sich auch heutzutage noch häufig von alltäglichen Vorkommnissen und Erzählungen für seine Geschichten inspirieren.
Im Sommer 1969 studierte King an der Universität von Maine, wo er Tabitha Spruce, - seine heutige Ehefrau - kennen lernte. Im dritten Ehejahr hatte die junge Familie zwei Kinder, was zu erheblichen finanziellen Nöten führte. Kings Mutter riet, ihm eine Ausbildung als Lehrer zu absolvieren, doch die erhoffte Beschäftigung nach dem Abschluß blieb aus, so das er wie seine Mutter in einer Wäscherei Krankenhaus- und Restaurantwäsche säubern mußte. Die alte Wäsche der Restaurants enthielt krabbelnde Maden, was vielleicht zu einer Verarbeitung in seiner Literatur führte. Seine Ehefrau arbeitete bei Dunkin´Donuts, eine Kette für Bäckereierzeugnisse, was ebenfalls keiner Beschäftigung für einen Hochschulabsolventin entsprach. Das einzigste Zubrot bestand in der Veröffentlichung von Kurzgeschichten in diversen Herrenmagazinen, die King nach seiner Arbeit schrieb. Die Veröffentlichungen der Romane von 1970 bis 1974 verhinderten im geringen Maße die Inanspruchnahme der Sozialhilfe - im Verhältnis zu den deutschen Sozialhilfesetzen ein spärliches Auskommen. Während dieser Zeit erhielt er einen Scheck über 500 Dollar für die Geschichte „Manchmal kommen sie wieder“, der der Familie einen Arztbesuch, den Kauf der notwendigen Medizin und seit langem ein sonntägliches Abendessen ermöglichte. Die Anstellung als Englischlehrer 1973 in der Stadt Hampden, linderte diese Not nicht im geringsten. Das Gehalt betrug 6400 Dollar im Jahr. King mußte deshalb in den Sommerferien in einer Wäscherei arbeiteten. Die Kings wohnten im Winter 1973 ohne Telefon in einem Trailer von doppelter Breite und fuhren einen Buick mit Getriebeschaden. Die Menge der Schularbeit verursachte bei King eine Schreibblockade, was ihn mit dem Gedanken spielen ließ, das Schreiben aufzugeben. Die Aufmunterungen seiner Frau verhinderten das aber, King fing jedoch an, das Geld für Alkohol, Poker- und Glücksspiel auszugeben. Der spätere Umzug in ein Haus verbesserte die Situation nicht wesentlich. Zu dieser Zeit schrieb King den Roman „Carrie“. Zuvor hatte er schon die Romane „Amok“, „Todesmarsch“ und „Menschenjagd“ geschrieben, diese blieben aber bis dahin unveröffentlicht. Das Manuskript von „Carrie“ schickte er an den Verlag Doubleday, wo er mit dem Lektor namens William Thompson befreundet war. Ein Telegramm aus dem Schulsekretariat enthielt die Nachricht, das der Roman Carrie angenommen werde und er einen Vorschuß von 2500 Dollar erhalte. Die Wahrscheinlichkeit das die Taschenbuchrechte eine hohe Summe erzielen würden, war für King gering, weshalb ihn die Nachricht, das die Taschenbuchrechte für 400.000 Dollar verkauft wurden, wie ein Schlag traf. Die Hälfte dieser Summe war nun sein eigenes Geld. Zwischenzeitlich waren die Kings in eine ärmlichen Wohnung nach Bangor gezogen. Der Tod seiner Mutter im Februar 1974 traf King schwer. Das Geld, das er durch „Carrie“ mittlerweile verdiente, konnte er für die Behandlung des Gebärmutterkrebses seiner Mutter verwenden.
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