Die Welt der Ängste des Stephen King    

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Der Begriff Sadismus wird heutzutage für viele entartete Handlungen und Triebe verwendet. Beispielsweise werden Kinder als sadistisch bezeichnet, wenn sie andere Kinder verbal attackieren, sie mit Gewalt zu etwas zwingen oder Tiere quälen und zertreten. Jugendliche werden z.B. als sadistisch bezeichnet, wenn sie ihre Mitschüler scheinbar ohne Grund verprügeln. Umgangssprachlich wird der Begriff Sadismus für vielerlei abnorme Handlungen und Triebe verwendet. Alltagsgebräuchlich wird der Begriff Sadismus verwendet, wenn ein Mensch mit einer gewissen Freude Gewalt über einen anderen Menschen oder andere Geschöpfe ausübt. Der Machtfaktor ist bei dieser Gewaltausübung entscheidend. Gewaltsam über andere Macht zu gewinnen befriedigt den Menschen. Er empfindet Lust an der Macht und am Quälen.

 

Der eigentliche Sinn des Wortes Sadismus steht im Zusammenhang mit dem Sexualverhalten. „Sadismus und Masochismus nennt man Sexualverhalten mit Zufügen und Erleiden von Schmerzen. Zwischen den Extremformen wie Fesseln und Schlagen...Die aktive bzw. passive Version ist zwischen den Partnern komplementär oder aber individuell ambitendent angelegt: die Lust am Quälen und am Leiden liegen nahe beieinander und können sich auch zugleich äußern (Sadomasochismus).“

 

Das die Natur des Menschen mit dem Sadismus verknüpft ist, hatte schon der Namensgeber des Wortes, der französische Schriftsteller Marquis de Sade in seinen Romanen sehr deutlich geschildert.

 

Die Definition aus der Sexualpathologie weist den Weg in Richtung Lust am Quälen und Leiden. Diese Lust am Quälen und Leiden durchdringt nicht nur die Leser von Horrorromanen, sondern auch unseren Alltag – Siehe das am Anfang erwähnte Unfallbeispiel. Nicht nur die Schaulustigen empfinden Lust am Leiden, sondern auch Menschen, die die neuesten Tragödien der Nachrichten verfolgen. Die Lust an der Macht ist in der Politik, wie auch in der Arbeitswelt bekannt. Die Verbindung zwischen Macht und Gewalt erfährt im Krieg bestialische Ausmaße. Menschen verhalten sich anders, wenn sie absolute Macht über andere gewinnen. Der Mißbrauch  von wehrlosen Frauen und das Mittel der Folter sind im Krieg ein häufiges Phänomen, aber auch in friedlichen Zeiten scheint die Lust am Quälen nicht zu enden, genannt seien hier die Gewaltausschreitung während größerer Veranstaltungen, die aus dem Gefühl des Einzelnen resultieren, das er die Macht der Masse hinter sich weiß.

 

Die Fiktion der Gewalt in Stephen Kings Romanen ist von der Realität nicht weit entfernt, doch der Kontext des Übersinnlichen, bzw. des Unerklärlichen und Absurden des Alltags, ist für den Leser weniger real und damit weniger bedrohlich, das Empfinden bleibt. Lust an der Gewalt, an Angst, am Leiden und am Quälen wird auch in Stephen Kings Romanen empfunden.

Woher stammt diese Lust? Die Lust an der Angst belohnt uns mit den Glückshormonen Endorphin und Dopamin. Diese werden nicht nur bei Sex oder Essen ausgeschüttet, sondern auch wenn eine Angstsituation unbeschadet überstanden wurde. Der Begriff Angstlust „Thrill“ stammt von dem Psychoanalytiker Michael Balint. Dieser „Thrill“ entsteht durch das Bewusstsein einer realen äußeren Gefahr, der sich der Mensch willentlich in der Hoffnung aussetzt, sie zu bestehen, die Furcht beherrschen zu können und wieder unverletzt in die sichere Geborgenheit zurückzukehren. Diese Angstlust wird vorweggenommen, deshalb macht uns die ganze Handlung Spaß. Durch die Konfrontation mit der Angst wird der Leser desensibilisiert und kann deshalb die Ängste abbauen (siehe hierzu auch Katharsis). Der Körper belohnt den Menschen durch Glücksgefühle, wenn er seine Angst meistert und das Problem auf andere Weise als durch Flucht löst, da wohl dies evolutionär von Vorteil ist. Anstatt der  Gejagte zu sein, wird man zu Jäger oder einfach zum Überlegenen.

 

Wie am Anfang erwähnt, wird partiell versucht, einen Zusammenhang zwischen Sadismus und Kings Romanen herzustellen. Das Augenmerk obliegt in diesem Fall nicht hauptsächlich in der Wirkung der Romane, sondern gilt den Leser. Die Frage lautet: „Woher rührt das Bedürfnis nach Sadismus?“