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Stephen Kings episches Werk „Der dunkle Turm“ ist eine siebenbändige Saga, die eine gewisse Verwandtschaft mit Tolkiens „Der Herr der Ringe“ aufweist. Ist „Es“ das Hauptwerk der Angst, so ist „Der dunkle Turm“ das wichtigste Werk des phantastischen Romans von King. Die Saga vom „Der dunkle Turm“ basiert auf dem Gedicht von Robert Browning: „Herr Roland kam zum finsteren Turm“. Das Werk Kings ist auf sieben Bände angelegt. Die Bände in chronologischer Reihenfolge sind: „Schwarz“, „Drei“, „Tot“, „Glas“, “Wolfmond”,“Susanna”und“Der Turm”.
Darüber hinaus ist die Erzählung „Die kleinen Schwestern von Eluria“ erschienen. In zahlreichen Werken Kings, werden querverweise auf den “Dunklen Turm” hergestellt. Diese sind z.B. in “Atlantis”, “Das Schwarze Haus” und “Talisman” zu finden. Diese Beziehungen zu der zentralen Geschichte sind keine belanglosen Verbindungen, sondern zum Teil von zentraler Bedeutung, um die Saga in ihrer Gänze zu verstehen.
Die Saga „Der dunkle Turm“ erzählt von dem letzten Revolvermann Roland von Gilead aus einer anderen Welt, der den schwarzen Mann verfolgt, um dessen Wissen über den dunklen Turm zu erhalten und um das Unglück, das über seine Familie kam zu rächen. Doch sein Ziel, auch wenn dies im ersten Roman sich noch nicht kristallisiert, ist die Wiederherstellung der Welt oder zumindest, dass diese vor der Zerstörung bewahrt wird. Dreh und Angelpunkt ist der “ Dunkle Turm” oder die zarte Rose als Teil der unauflösbaren Einheit. Nur wer diese beschützt und deren Zustand verbessert kann die Welt retten, da der Turm die zentrale Stütze aller Welten ist.
Im weiteren Band “Drei” gewinnt Roland seine Gefährten hinzu, die er durch Portale, die mit unserer Welt verbunden sind, in seine Welt holt. Zusammen mit seinen Gefährten macht er sich auf den dunklen Turm zu suchen, der ein Schnittpunkt für Raum und Zeit zu sein scheint. Roland trifft auf seiner Suche in einer marodierenden Welt auf die Zeugnisse der „großen Alten“, welche Menschen einer vergangenen hochtechnisierten Zivilisation gewesen sind.
ISBN: 978-3-453-01215-8, Stephen King, Drei - Der dunkle Turm II, Heyne 2005
Ein Gegensatz zu den anderen Werken von King besteht ist der Schauplatz des Geschehens. Bemüht sich King sonst eine nachvollziehbare Alltagswelt zu zeichnen, damit der Horror ein reales Antlitz erhält, so ist der Schauplatz von „Der dunkle Turm“ eine unbekannte, fremde und seltsame postapokalyptische Welt des Untergangs. King stellt den Bezug zu unserer Welt durch die Verwendung von Werbe-Mythen dar. Genauso durch Songs aus dem amerikanischen Kulturkreis und durch Verbindung der Portale mit der hiesigen Welt, die das New York aus verschiedenen Zeiten ist. In Rolands Welt, genannt Mittelwelt, scheint das Raum-Zeit-Gefüge in einem chaotischen Zustand zu sein. Daher vollziehen sich Zeit- und Raumsprünge häufig während der Handlung.
Das häufige Thema Reise findet sich auch in „Der dunkle Turm“ wieder. Kings Stärke liegt unter anderen in der Zeichnung glaubwürdiger Figuren. Doch sind die Figuren in „Der dunkle Turm“ Symbole, besonders in dem Band „Schwarz“. Roland stellt das Symbol einer sterbenden Welt dar. Er verkörpert alle Eigenschaften die für den amerikanisch Traum stehen, die King überzeichnet darstellt „wie die Eigenschaften von Ehrlichkeit, Entschlossenheit, Tapferkeit und den Willen, 'die letzte Grenze' zu erforschen und Neuland zu erobern.“ Somit steht Roland auch für den sterbenden amerikanischen Traum. King erreicht durch das Wissen der Protagonisten um ihre Symbolik eine absurde Situation. King schafft wie in „Es“ einen Über-Mythos. Im Gegensatz zu „Es“ werden die mythischen Symbole nicht zerstört. Der Über-Mythos wird geschaffen indem der Roman alles in sich verinnerlicht, was in den letzten 30 Jahren an Fantasy, Science-Fiction, Westernliteratur und einigen realistischen Szenen von der amerikanischen Unterhaltungsliteratur angeboten wurde. Am deutlichsten trifft die Bedeutung der Suche nach dem dunklen Turm, die der Suche nach dem Gral. Im Folgeband „Drei“ wandelt sich Roland vom Symbol zum Menschen. Auch hat die Zahl drei wieder ihre Symbolik. Sie scheint die Antithese der Dreifaltigkeit zu sein. Drei steht für die Gefährten Rolands. Statt wie in anderen Stephen King Büchern einer Logik zu folgen werden am Ende jedes Bandes, um so mehr Fragen aufgeworfen, die ein noch größere Verwirrung des Lesers hervorrufen. Es ist nicht unbedingt Angst die „Der dunkle Turm“ verbreitet, sondern ein Gefühl des Unbehagens, das von einer möglichen Zukunft unserer Menschheit herrührt. Denn Mittelwelt war einst eine blühende, weit entwickelte Zivilisation, die scheinbar durch ihre Dekadenz und ihre eigenen Schöpfungen zu Grunde gegangen ist und vielleicht ist sie auch unsere Zukunft.
ISBN: 978-3-453-00096-4, Stephen King, Der Turm - Der Dunkle Turm VII, Heyne 2004
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