Die Welt der Ängste  des Stephen King  -    

Kings erste Buchveröffentlichung „Carrie“ verhalf ihm zu dem lang ersehnten Durchbruch als Schriftsteller. Der Roman „Carrie“ ist die moderne Version des Märchen  vom Aschenputtel. Das Mädchen Carrie wird nicht wie im Märchen, vom Prinz gerettet, sondern sie übt Rache an einer „bigotten und heuchlerischen Gesellschaft, die Konformität zur Norm und zum höchsten Gut erhebt und keinen Platz für Abweichler läßt.“ Wie im Märchen wandelt sich zunächst die häßliche Außenseiterin Carrie zu einem wunderschönen Schwan. Doch die kurzzeitige Anerkennung die Carrie dadurch zu kommt, wird durch ihre mißgünstigen Mitschüler während des Abschlußballs zu Nichte gemacht, indem sie Carrie mit Schweineblut überschütten. Die Metapher des Blutes erscheint mehrmals in dem Roman „Carrie“. Mit 16 Jahren bekommt Carrie ahnungslos ihre erste Menstruation im Duschraum der Schule. Die metaphorische Reise vom Mädchen zur Frau ist hier mit Schmerzen verbunden, da Carrie noch nachdrücklicher durch ihre Ahnungslosigkeit zur Außenseiterin wird. Ihre Rache besteht in der Vernichtung der gesamten Stadt. Deshalb ist sie nicht Böse, sondern sie wehrt sich nur gegen eine verachtende Umwelt. Diese Lösung/Alternative bietet nur der phantastische Roman. Ganz im Gegensatz zum naturalistischen Roman, der Carrie als eine gedemütigte und frustrierte Außenseiterin Zeit ihres Lebens darstellen würde. 

 

Das letzte Erscheinen der Blutmetapher geschieht, als Carrie ihre fanatische Mutter tötet und ihre Menstruationsblutung wieder einsetzt. Die Angst des Lesers vor Blut wird erzeugt, durch seine Bedeutung die es im Roman „Carrie“ erlangt. Es steht für den Tod und nicht für das Leben. Die Ahnung das etwas Schreckliches passieren könnte, ist in Kings Büchern generell ein Angsterzeuger. Doch Kings Stärke, Charaktere zu erschaffen mit denen sich der Leser gut identifizieren kann, wird durch die unsympathischen Figuren erschwert. Der Subtext in „Carrie“ ist die Angst Jugendlicher und Erwachsener vor Unzulänglichkeiten, körperlichen Veränderungen, sowie dem Bedürfnis nach Liebe und Aufmerksamkeit. Diese Ängste werden mit Haß und Eifersucht beschworen und wir wünschen uns solche Ängste in der eigenen Geißelung zu sublimieren.