Die Welt der Ängste des Stephen King    

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 Angst, Gewalt und Sadismus: Die Komponenten des Horrors

 

”Die Worte fielen wie Steine in diese Stille, die plötzlich von einer grabähnlichen Kälte erfüllt wurde. Der Mangler stand still und ruhig unter den Neonlicht, und Hunton hatte den Eindruck, als ob er grinste.”

 

Stephen King spielt mit unseren Ängsten und wir spielen mit. Es scheint uns eine regelrechte Freude zu bereiten, uns dieser Angst auszusetzen. In seinen Romanen geht es um die dunklen Seiten des menschlichen Lebens, um die Seiten, die wir allzu gern vergessen wollen, da sie diese in unserer modernen Gesellschaft ein Tabu sind - besonders wenn es sich um die dunklen Seiten unseres eigenen Daseins handelt. Die Annahme das wir schlecht und unzivilisiert sind, ängstigt uns, deshalb werden diese Attribute auch gern verschwiegen. Doch da sie Teil unseres ganzen Wesens, unserer Persönlichkeit, sind, dürfen wir sie nicht nur aussperren, sondern müssen sie an die Oberfläche unseres Bewußtseins holen, um sie besser verstehen zu können. Denn sie gehören zu uns.

 

Versuchen wir nun erst einen Überblick über die Gestalt der Angst zu bekommen. Angst zu erklären ist ein schwieriges Unterfangen, da die Theorieansätze zahlreich sind und aus mehreren Fachrichtungen stammen. Der Brockhaus in einem Band definiert Angst wie folgend: „Angst [ist] eine Reaktion auf eine unbestimmte Bedrohung im Gegensatz zur Furcht, die sich auf eine bestimmte Bedrohung bezieht.“  Der Begriff Angst wird in der Angsttheorie dreifach verwendet: a) als als Abgrenzung gegenüber Furcht, b) als Synonym für Furcht c) als Oberbegriff für Angst (im engeren Sinne) und Furcht. Allgemein wird deshalb in dieser Arbeit der allgemeine Begriff der Angst verwendet. Es wird wegen der Vielzahl an Theorien eine Auswahl getroffen, die einen Überblick über die wesentlichen Ansätze schaffen soll, die sich für eine Betrachtung des Horrors eignen. Eine genaue Differenzierung zwischen Behaviorismus, Psychoanalyse, Funktionalismus und anderen Auffassungen wird nicht vollzogen. So wird nicht ausschließlich die Psychologie zur Betrachtung des Gegenstandes, sondern auch kulturelle, soziologische und andere Fachrichtungen zur Betrachtung herangezogen. Das Phänomen Horror bedarf einer allumfassenden Erklärung. Wie soll man anhand des Verhaltens, also der Messung körperlicher Reiz-Reaktionen, erklären, welche Persönlichkeitsmerkmale für eine Reaktion verantwortlich sind? Hypothesen sind notwendig für bessere Erklärungsmodelle.

 

Da Angst dem Phänomen Horror nicht allein gerecht wird, sind ebenfalls Gewalt und Sadismus zu erklären. Gewalt wird hier als ein Bestandteil der Aggression betrachtet. Die Angst allein entsetzt uns, doch wovor wir Angst haben, fliehen wir, jedoch nicht vor dem Entsetzlichen, das wir in Horrorbüchern und Filmen auf uns einwirken lassen. Wir müssen daher auch über die Lust an der Angst nachdenken: Der Sadismus, der uns erfreut, wenn wir andere in einem Film leiden sehen, die Vorstellung an das Leid eines anderen, das Lesen über das Leid anderer Personen, die sterben. Manche haben es unserer Meinung nach verdient, mit anderen haben wir Mitleid - vielleicht sind sie es ja auch selbst schuld.

 

Ein anderer Fall sind die Menschen an einem Unfallort, die sich um den Ort der Tragödie scharen, tatenlos den Verletzten anstarren und unbeteiligt auf diese Szene blicken. Links und rechts an den Vorstehenden vorbeistarrend versucht jeder, noch ein deutlicheres Bild vom Entsetzen einzufangen.

 

Betrachten wir die Gewalt, die uns Tag täglich begleitet. Auch dieser sind wir zugetan. Nicht nur im Film oder in Büchern, auch in den Nachrichten, auf dem Schulhof oder auf der Arbeit. Nur durch die Darstellung der Gewalt kann man zumeist in Büchern oder Filmen den Konsumenten den Horror näher bringen. Ganz ohne dieses Element der Aggression kommt der Horror zumeist nicht aus. Selbst der Film „Rosemaries Baby“ übt eine psychische und soziale Gewalt aus. Die Lust an der Gewalt, der wir in den Medien frönen, verdeutlicht, das wir eine sadistische Ader besitzen. Auch wenn Stephen King auf Gewaltorgien in seinen Romanen verzichtet, ist doch Gewalt ein wichtiger Bestandteil seiner Romane.